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Cartoon-Wettbewerbe - teilnehmen oder nicht?

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aurelcartoons - 13.11.20 10:33
Habe mir die 3 Gewinnercartoons jetzt auch mal angesehn. Also ehrlich gesagt hauen die mich nicht vom Hocker. Natürlich immer sehr subjektiv so 'ne Auswahl. Und bei einer Lappan Jury auch sicher nicht neutral sondern mit Bonus-Blick. (Könnte ich mir zumindest vorstellen.)
 
Pauer (toonsUp team) - 10.11.20 17:48
Spannende Antworten. Ich sehe das ähnlich: Man hat hier keinen Anspruch auf Anerkennung, was solche Preise angeht. Und ob etwas gut oder schlecht ankommt, das ist für einen selbst schwer zu sagen.

Oft ist man nach der Umsetzung eines Cartoons betriebsblind und sieht die Fehler oder Mängel (in der Zeichnung, im Gag usw.) nicht. Da ist es manchmal sinnvoll, wenn man die Zeichnung eine Woche liegen lässt und sie dann nochmal ansieht. Da fallen einem bereits Verbesserungsmöglichkeiten auf. Aber dazu braucht es auch ein gesundes Maß an Selbstkritik.

Das Gefühl kennt wohl jeder, wenn man bei einem Preis mitmacht und dann nicht dabei ist. Und solche Rundmails mit "Danke, nein!", wie sie PAM unten beschreibt, sind ja auch keine Freude. Da kann es schon vorkommen, dass man beleidigt ist und mit Gram auf die anderen Beiträge glotzt. Aber das soll einen nicht einschüchtern.

Was einen guten Cartoon ausmacht? Ich denke, da könnten die Vorstellungen nicht weiter auseinandergehen. Manchmal macht eine übertrieben schöne Umsetzung eine bescheidene Pointe erst so richtig lustig.

https://pbfcomics.com/comics/gentleworms/

Eine gute Pointe kann noch so rotzig gezeichnet sein, sie kommt gut an. Ich glaube, Katz & Gold haben mal erwähnt, sie zeichnen die Cartoons manchmal auf Overhead-Folie, damit der Stift verrutscht und die Zeichnung noch krakeliger wird. Man kann einen Comic auf hunderte verschiedene Arten zeichnen! Und er wird vielleicht jedesmal eine andere Wirkung, allein durch den gewechselten Stil haben.

Rattelschneck - Tourette-Gesellschaft

In jedem Fall kommt man eher schlecht weg, wenn man sich selbst auf Kosten anderer erhöht.
Ich habe mir "die 11 besten" hier mal angesehen, die da von cartoonagen verlinkt wurden. Ich finde sie spontan überflogen alle sehr zeitnah (Corona, Überraschung!) und bis auf einen Cartoon relativ "bekömmlich". Der Cartoon mit dem blauen Auge bei Mutter und Kind ist eigentlich überwiegend kritisch und ernst, sodass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Für mich ist das oft eine erzwungene Anerkennung, die da als Antwort folgen muss. Was macht eine Jury? Sowas muss auf jeden Fall in die Top-Elf, denn sonst käme man in die Verlegenheit sich rechtfertigen zu müssen, warum das nicht passiert ist. ("Die haben meinen Cartoon über häusliche Gewalt abgelehnt!" ) – dann wird's politisch.

Und auf der anderen Seite sind da so gut wie nur die Größen der deutschen Zeichner-Elite unterwegs. Man kennt sie aus Titanic, Augustin und wie sie alle heißen. Etablierte Zeichner und ab und zu vielleicht ein Newcomer. Soll man es nochmal probieren? Ja, unbedingt. Und immer wieder, denn anders kommt man nicht zu einem Publikum, das dann sagt: "Hab ich doch schon mal gesehen, den Zeichenstil!"

Man sieht, die Vergabe solcher Preise ist teils ein Politikum, teils scheinbar schon im Vorfeld entschieden. Und – besonders, wenn man nicht nominiert wurde – hochgradig ungerecht und alle anderen Beiträge sind schlecht.
Nein, sind sie natürlich nicht! Einfach eine dicke Haut wachsen lassen und weitermachen.

PS.: Mein Favorit. :D

PPS.: Jetzt hab ich mir fast alle angesehen und typischerweise sind sogar sehr sehr viele politisch oder gesellschaftskritisch und dabei teils weniger auf Humor, sondern eher anklagend ausgelegt.
 
LAHS - 10.11.20 15:45
Humor ist tatsächlich in aller erster Linie Geschmackssache. Ein Schwank aus meinem Leben. Seit 4 Jahren reiche ich regelmäßig beim Deutschen Cartoonpreis ein und werde regelmäßig aussortiert.
Im letzten Jahr wurde einer der dort aussortierten Cartoons allerdings mit dem Deutschen Karikaturenpreis ausgezeichnet. Warum? Keine Ahnung.

In diesem Jahr das gleiche:
Cartoonpreis: gleiche Mail wie PAM - Karikaturenpreis: wieder nominiert.

Ich habe da keine Antwort drauf. Und trotzdem kann ich nur jeden motivieren, dort mitzumachen. Vor allem die Veranstaltung rund um den Deutschen Karikaturenpreis ist ein Erlebnis, das ein Leben lang in Erinnerung bleibt. Leider ist die Preisverleihung in diesem Jahr nur online - man munkelt, wegen eines nervigen Erregerleins.
 
cartoonagen - 08.11.20 23:43
Mir fällt gerade das Wort "Oberflächlichkeit" ein.

Ich glaube, mein Beitrag wurde falsch verstanden:
- Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass bei Cartoonwettbewerben nicht unbedingt objektive Wertungen erwartet werden können, und man somit nicht allzu große Erwartungen daran knüpfen sollte.
- Angeführt hatte ich meinen Beitrag, der nicht einmal unter die ersten 300 kam, obwohl er "objektiv" (argumentierbar...) "besser" ist, als manche der Top-Beiträge. Das ist SO gemeint: In der Corona-Zeit hat der Bankräuber als einziger keine Maske auf, und sagt auch noch "Geld her, oder ich huste" --> das ist doch "griffig", und besser, als irgend ein "Kalauer", der auf einer undefinierten Andeutung beruht. Das war nur als Beispiel gedacht - da ich sonst, außer meinem keine abgelehnten Werke kenne.
Für mich selbst spielt es überhaupt keine Rolle, wie andere meine Cartoons bewerten.
- Mir ging es NICHT darum, mich zu beklagen, dass ich nicht gewonnen habe, da mir das ohnehin egal ist (ist nur ein Hobby, und ich hatte den Cartoon bereits fertig, bevor ich von dem Wettbewerb erfahren hatte - war also nicht einmal extra-Aufwand).
Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Andeutung "Grippewelle 2020..." nicht so gut angekommen ist, denn die Grippe hat ja 2020, glücklicherweise, pausiert.

War' nicht so offensiv gemeint, wie es evtl. interpretiert werden konnte.
 
WOSCH (toonsUp team) - 08.11.20 23:23
Mir fällt dazu nur der alte Cartoon über Beratungsresistenz ein, aber den müsst ich dann ja erklären
 
cartoonagen - 08.11.20 23:08
@Danny: Du verallgemeinerst in deiner Antwort sehr viel. Anders ausgedrückt: Ich wette, dass es hunderte Beiträge zum diesjährigen Wettbewerb gibt, die besser sind, als manche von denen, die ausgewählt wurden.
Ein guter Cartoon basiert meiner Meinung (und Erfahrung) nach auf einer guten Idee, evtl. mehreren Interpretationsmöglichkeiten, und sollte allgemein geistig anregend sein.

Ein Beispiel aus der von mir verlinkten Galerie: Patient auf dem OP-Tisch, bekommt gesagt, dass es noch dauert, bis die OP beginnt, da der Chirurg noch seine Maske nähen muss.
Hier müsste erklärt oder dargestellt werden, warum der Chirurg seine OP-Maske selbst näht, und warum erst kurz vor der OP. Da das nicht erklärt wird, frage ich mich, was dem Leser dieser Cartoon bringen soll?! Und was soll daran besser sein als z. B. an meinem?
 
Danny - 08.11.20 22:56
Seinen eigenen Beitrag als "objektiv" besser zu betrachten, scheint mir schon ein Teil des Problems zu sein. Man kann sich nur entwickeln, wenn man reflektiert was man selber besser machen kann, und nicht wenn man mit dem Finger auf andere zeigt und rumquäkt, dass die doch alle schlechter seien.
 
cartoonagen - 08.11.20 21:28
Mit diesem Beitrag wollte ich einfach nur eine kleine "Spitze" an solche Wettbewerbe / Juroren absetzen. Mir geht es nicht darum, zu gewinnen, oder besser als andere zu sein, sondern aufzuzeigen, dass ein Bemühen, möglichst objektiv zu werten, bei vielen Wettbewerben nicht vorhanden zu sein scheint.

Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür für Cartoons: Jeder kennt das vermutlich: Man hat eine Idee, findet sie gut, und merkt erst später, dass sie eigentlich keine Substanz hat / sehr flach ist / nur für einen selbst funktioniert. Solche Cartoons veröffentlicht "man" dann nicht. Oder anders:
Ein guter Cartoon definiert sich (oft / meist) durch eine Idee, auf die nicht unbedingt jeder (nicht-Cartoonist) durch kurzes Nachdenken gekommen wäre.
Genau solche Beiträge sehe ich aber in der Auswahl der "besten" des Dt. Cartoonpreises 2020, daher die Verwunderung, wie es sein kann, dass da mehrere 1000 NOCH schlechtere eingereicht worden sein sollen...

Hier zur viruellen Galerie:
https://artspaces.kunstmatrix.com/de/exhibition/2488371/beste-bilder-11-die-cartoons-des-jahres-2020?fbclid=IwAR3isruNYdy83wzFy5F-uCO7DBxcAZbZn1-QEFc2b1Zx8_6u-Xk2N8cLZJU
 
Hannes - 08.11.20 10:56
Vielleicht gab es ja auch weitere Einsendungen mit dem hustenden Bankräuber... neu und einzigartig ist die Idee jedenfalls nicht, die habe ich in diversen Variationen seit Coronabeginn hier und da gesehen. Was dein Werk in keiner Weise herabwürdigen soll. Nur aus Sicht der Jury war es vielleicht eben kein Kandidat mehr für das Buch.

Ich habe mich bei den ein oder anderen Kandidaten in der Vergangenheit auch gefragt, was die Jurys da geritten hat, das Werk nicht gleich auszusortieren. Dass aber nur bekannte Künstler in den näheren Kreis kommen, glaube ich so nicht. Immerhin bin ich - auch wenn es schon länger her ist - bei mehreren Wettbewerben zumindest in den Katalog gekommen und auch schon unter die Top10. Und ich bin kein Perscheid, Fernandez, Mette, Bengen und wie sie alle heißen.

Es gibt Wettbewerbe, da schreien dich die Teilnahmebedingungen schon an, dass du besser deine Ideen nicht einreichst. Der deute Cartoonpreis oder der Karikaturenpreis gehören mMn aber nicht dazu. Aber natürlich suchen die Werke raus, die sich im Buch auch verkaufen lassen.
Don't worry, mach einfach weiter mit, solange du Spaß dran hast
 
embe (toonsUp admin) - 07.11.20 22:02
Erstmal ist Humor auch immer eine Sache des Betrachters. Was die einen Lustig finden, bringt andere nicht mal zum lächeln. Sich selbst lustiger zu finden als andere, naja, wenn man sich so fühlt... Ich teile definitiv nicht den Humor vieler Künstler, habe meine Lieblinge und meine eigenen Werke sind in meinen AUgen oft nicht wirklich gut.
Natürlich kann man auch nicht allen TeilnehmerInnen eine ausgiebige Kritik zu ihren Werken schreiben.
Bleib dran, frag Freunde und Bekannte wie sie deine Gags finden und überarbeite gegebenfalls deine Werke. Übe, lerne Kritik anzunehmen und gib alles für dein Ideal.
Ich arbeite gerade an einer Comic-Story und habe schon einiges umgearbeitet, weil mir nette und ehrliche Künstler eine faire und klare Kritik zum Inhalt gegeben haben. Denk dran deine Werke aus der Distanz zu betrachten, andere können dir nicht in den Kopf schauen.
 
WOSCH (toonsUp team) - 07.11.20 21:46
wo wir gerade bei Wettbewerben sind:

https://fnf-europe.org/2020/08/01/call-fur-einseitige-single-page-comics/?fbclid=IwAR2kNgJA2knCNtbyka2Ilm_FuCq4e3akPBdm1tCEKhrZGgVas7feYsqT9WU
 
cartoonagen - 07.11.20 20:27
@WOSCH:
Mir geht es einfach nur darum, dass möglichst fair und objektiv bewertet wird. Ich finde, wenn hinter allem eine (Marketing-) Strategie steckt, oder alles politisiert wird, so wie es leider aktuell ist, kann man es auch sein lassen / einfach gar nichts mehr machen.
 
WOSCH (toonsUp team) - 07.11.20 17:32
Hier versteht ja auch manchmal Jemand nicht warum sein Werk nicht ins Heft oder die Ausstellung kommt, da kann ich nur sagen: Mal sowas selber organisieren, dann darf man auch Jury sein
 
Miezel - 07.11.20 15:50
Stimmt manchmal fragt man sich, warum die Gewinner gewinnen ... nun ja es sind wohl Fachleute, die es wissen müssen
 
PAM - 07.11.20 11:11
Okay, da sind wir an dem typischen Punkt, an dem man nur den Kopf schüttelt.
Aber alles Geschmackssache und die "Fachjury" hat nunmal den "besten".
 
cartoonagen - 07.11.20 03:02
4000 sogar - wow, ich hatte irgenwie 1500 im Sinn. Nun gut, so viele zu sichten und zu werten, ist durchaus ein erheblicher Aufwand.
Trotzdem - auf Facebook gibt es eine virtuelle Galerie-Tour der ausgewählten Cartoons - da ist manch einer dabei, ...
 
PAM - 07.11.20 00:53
Jo, da hatte ich auch mitgemacht, mit 6 Motiven.
Kam irgendwann nur 'ne bocklose Rundmail: ..

Sehr geehrte Cartoonist*innen,
Vielen Dank für Ihre Einsendung zum Deutschen Cartoonpreis 2020. Über 300 Cartoonist*innen haben rund 4000 Cartoons eingereicht, davon haben es rund 270 Cartoons von 81 Teilnehmenden auf die Longlist, das heißt, in das Buch Beste Bilder 11 geschafft. Es tut mir leid, dass dieses Mal Ihre Cartoons nicht dabei waren.
Mit freundlichen Grüßen..

.. tjo, Leben geht weiter. Ab dafür ..
 
cartoonagen - 07.11.20 00:37
Cartoon-Wettbewerbe - teilnehmen oder nicht? 

Hallöle,

habe' beim deutschen Cartoonpreis 2020 mitgemacht, und bin mit meinem Cartoon (http://www.cartoonagen.de/cartoons.php?sen=43) nicht einmal unter die ersten 300 gewertet worden.
Das wäre ja akzeptabel, wenn nicht bei der Auswahl der besten 30 (?) mindestens 10 dabei wären, die klar (argumentierbar) schwächer sind als mein Beitrag. Dazu kurz: Ein guter Cartoon zeichnet sich meiner Meinung nach dadurch aus, dass er eine oder mehrere Ideen beinhaltet, auf die man nicht einfach so (erste Abstraktionsebene) kommt - wo also etwas um die Ecke gedacht wurde. Und wenn er dazu noch ok gezeichnet wurde, ist's gut.
Ich kann mir auch schwerlich vorstellen, dass die mehr als 1000 Cartoons, die (so wie meiner) "aussortiert" wurden, alle schlechter sind, als die "Top-Cartoons" - da dies kaum möglich ist.

Ich vermute, dass einfach alle Beiträge von Leuten, die dort (Lappan-Verlag) veröffentlichen, top-bewertet werden, und dann noch weitere zum Auffüllen. Vermutlich wird es keine langen Abstimmungen und Diskussionen darüber geben, welche 300 Cartoons nun in's Buch genommen werden. Wie immer geht es nicht um die eigentliche Sache.

2016 hatte ich auch mal an einem Wettbewerb teilgenommen - Thema "Smartphone". Mein Beitrag: Szene vor'm Traualtar; ein Mann heiratet ein Smartphone, und während der Zeremonie sind Bräutigam, "Braut", und der Pfarrer mit ihren Smartphones beschäftigt.
Auch bei diesem Wettbewerb waren in dem Heftchen der "Top-30" einige dabei, die viel schlechter waren. Z. B.: Strichmännchen laufen auf einer Linie (alles eindimensional gezeichnet, ohne "Skills", schauen in das Smartphone, und fallen daher am Ende der Linie herunter. Super Idee, da wäre sonst niemand drauf gekommen.


Somit empfehle ich, NICHT an Cartoonwettbewerben teilzunehmen. Die Idee, kostenlos eigene Arbeiten einzureichen, damit eine (fachfremde) Jury eine schöne Menge an Cartoons erhält, um aus (unternehmens-) politischen Erwägungen heraus auswählen zu können, um ein Büchlein zu produzieren, und das auch noch gewinnträchtig veräußern zu können, erfüllt mich nicht gerade mit Frohsinn.
 
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