Forum | General | Comic culture: Was ist heute wichtig für Zeichner und Autoren?

Conversation: 

Was ist heute wichtig für Zeichner und Autoren?

Board: Comic culture
Forum: General
Interviews vom Comic-Salon 2014 - Teil 1
Write something
Every artist may state what kind of feedback he is especially pleased.
If you are paying attention to this advice, you can incorporate it in your comments.

Notify me when there are new comments
Save as default
Send comment

All previous entries
Ron (toonsUp admin) - 03.08.14 22:11
Super, sehr interessant zu lesen!
Ich freue mich schon auf Teil 2!
 
GrBa_S - 03.08.14 18:01
Auf dem Comic-Salon in Erlangen haben wir uns mit verschiedenen Künstlerinnen, Autoren, Redakteurinnen und Verlegern getroffen und Interviews geführt. Die Ergebnisse stellen wir nach und nach auf unserer Homepage (http://www.totleger.org) online. Den Anfang macht ein Übersichts-Artikel. Da wir glauben, dass die Infos auch für andere Toonsup'er interessant sein könnten, möchten wir Auszüge aus den Gesprächen auch hier im Forum veröffentlichen. Wir freuen uns natürlich über Rückmeldungen! Hier die Auszüge aus dem ersten Artikel:

„Irgendeine Krise ist immer“ oder: „Man muss lieben, was man macht“ – Was ist heute wichtig für Zeichner & Autoren?
Tipps und Einschätzungen von Verlegern auf dem Comic-Salon 2014 in Erlangen

Etliche Gespräche auf dem Comic-Salon 2014 in Erlangen mit Verlegern, Zeichnern und Redakteurinnen über die aktuelle Comicszene zeigen: Die Chancen für eine Veröffentlichung stehen im Moment in Deutschland gar nicht mal so schlecht – viel besser als noch in den 80er Jahren, als es nur wenige, auf bestimmte Sparten spezialisierte Verlage gab und das Genre „Comic“ als nicht feuilletonfähig galt, als ernstzunehmende Kunstform sowieso nicht.
„Die Szene ist im Moment so vielfältig, wie ich es noch nie gesehen habe“, war eine viel gehörte Aussage, u.a. auch von Stefan Dinter, seit den 80er Jahren in der Comic-Szene aktiv und seit 2009 Verleger des sowohl in Stuttgart als auch in Frankfurt beheimateten Independent-Verlags „Zwerchfell“.
Denn anders als noch in den 80er Jahren gibt es heute neben den großen etablierten Verlagen eine äußerst lebendige Indie-Szene mit ganz unterschiedlichen Verlagsprogrammen.
Eine gute Übersicht über die Verlagslandschaft bietet z.B. die aktuelle Ausstellerliste des Comic-Salons. […]
Der Comic ist tot, es lebe der Comic: überwiegend einig waren sich die befragten Verleger in der Frage, ob das gedruckte Medium überleben werde.
Eckhard Friedrich z.B. ist seit den 70er Jahren als Sammler aktiv, seit den 80er als Verleger, und seitdem „höre ich eigentlich immer, der Comic-Markt ist in einer Krise“, erzählt er, der hinter den Verlagen „Comic Club Hannover“ und „Bildschriftenverlag Hannover“ steht und sich heute vor allem um die Herausgabe bisher in Deutschland unveröffentlichter „Illustrierter Klassiker“ kümmert. Heute gebe es z.B. überall die Befürchtung, dass man vom gedruckten Buch wegkomme und der Comic in Heftform aussterben könnte.
[…]
Und so wird das Comic in Papierform wohl nicht nur bleiben, der Trend geht sogar zu noch mehr Papier, so Wolf Stegmaier vom 2013 gegründeten Verlagslabel Egmont Graphic Novel: „Der Trend weg geht vom großen Albumformat und hin zu kleineren Buchformaten, die in sich abgeschlossene Geschichten erzählen, dafür dann aber auf mindestens 100 Seiten.“
Die Graphic Novel also.
[…]
Festhalten lässt sich: Die Qualität und Professionalität der Zeichner ist hoch und das Angebot vielfältig, was auf der anderen Seite auch dazu geführt hat, dass die Zahlen der einzelnen Auflagen deutlich zurückgegangen sind. Andreas Mergenthaler von Cross Cult nennt drastische Zahlen.
[…]
Es gibt sie also, die Chance gedruckt zu werden mit dem eigenen Comic, und die aufgeschlossenen Verleger, bei denen die hoffnungsvolle Nachwuchszeichnerin vorstellig werden kann. Aber was macht nun einen guten Comic aus? Wie entscheiden die Entscheider, welches Projekt sie tatsächlich umsetzen und welches nicht?
Das zu erklären, fällt vielen schwer – es scheint fast so, als sei es jenes berühmte, undefinierbare Bauchgefühl, das in vielen Fällen den letzten Ausschlag gibt und über das „Ja!“ zur Veröffentlichung entscheidet.
Oft gehört wurde z.B. die folgende Aussage: Text und Zeichnungen müssen zueinander passen. Aber was heißt das konkret? Zumal verwirrenderweise häufig noch als Nachsatz hinzugefügt wurde: Und das heißt nicht, dass die Zeichnungen perfekt sein müssen.
Stefan Dinter versucht sich an einer genaueren Erklärung.
[…]
Das ist aber noch nicht alles: Auch die Persönlichkeit des Zeichners bzw. Autors spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn, wie Stegmaier sagt: „Eine gute Geschichte allein reicht nicht, um Erfolg zu haben“, und er nennt, genau wie die meisten anderen der befragten Verleger, noch eine Reihe weiterer Eigenschaften, die ein guter Comiczeichner mitbringen sollte.
[…]
Weitere Tipps für Zeichner, die oft gehört wurden, sind: Hartnäckig bleiben und an sich arbeiten. Von Vorteil übrigens: der oft beschworene Jugendwahn hat die Comicbranche noch nicht infiziert – Mark Fischer vom Epsilon Verlag z.B. ist es sogar lieber, wenn jemand schon eine gewisse Erfahrung und Professionalität aus der Zeichenbranche mitbringt, auch weil damit einer gewissen Selbstüberschätzung vorgebeugt werde.
[…]
Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch immer mehr Wettbewerbe, z.B. stiftet der „Egmont“ Verlag ein Comic-Stipendium im Wert vom 5.000 €, an dessen Ende auch die Publikation im eigenen Hause winkt. Im Internet gibt es verschiedene Übersichten über die Wettbewerbe.
[…]
Die Eltern oder Freunde betrachten den angehenden Comickünstler mit mitleidigen Mienen und meinen: „Kind, Kumpel, das ist doch eine brotlose Kunst?“ Tja – zu einem guten Teil haben sie damit sogar Recht! So gut wie niemand kann alleine vom Comiczeichnen leben – das gilt allerdings auch für Länder wie Frankreich oder Belgien, in denen die Akzeptanz und Vielfalt von Comics und grafischer Literatur allgemein noch höher ist und die hierzulande vielfach als die paradiesischen Gefilde für Comickünstlerinnen angepriesen werden.
[…]
Zusammenfassend lässt sich dazu sagen: Man kann Geld verdienen in der Comicbranche, aber man kann nicht reich werden damit. Letzteres dürfte allerdings wohl auch für niemanden, der sich im Ringen um das beste Blatt monatelang am Zeichenbrett kasteit, die ursprüngliche Motivation sein – für die meisten gilt wohl, was auch für die Verleger gilt, wenn Eckhard Friedrich sagt: „Es ist eine Erfüllung, das fertige Produkt in den Händen zu halten und die Freude darüber mit anderen zu teilen“ oder wie Stefan Dinter meint: „Letztlich muss man lieben, was man macht, sonst macht das Ganze ja eh keinen Spaß.“
 
Back to board