Illustration alter Wichtel
In einer hellen Sommernacht - da wird es schwarz und still.
Kein Kauz der tönt ganz plötzlich mehr - weil Gott es halt so will.
Kein Flattern von nem Flügelschlag, kein Knarzen von nem Baum.
Die Welt verstummt und trostlos wirkt ad hoc auch jeder Traum.

Was ist in dieser Sommernacht - so kurz vorm längsten Tag -
was ist es was die Welt verändert? Horch! Ein Standuhrschlag!
Wie oft er schlägt? Ich weiß es nicht! Ich lieg noch tief im Schlummer.
Doch als ich aufwach weiß ich es - ab jetzt herrscht hier der Kummer.

Am nächsten Tag - das muss so sein: Die Welt dreht weiter und
denkt nicht an mich, nicht an Mama, die Brüder, unsern Hund,
nicht an Omi, Weggefährten, Freunde und so weiter.
Sonne kommt und Wolken ziehen. Sommerwetter. Heiter.

Der Hund, der sitzt seither allein und wartet jeden Tag
sehnsüchtig um siebzehn Uhr, dass Herrchen kommen mag.
Doch Herrchen kommt nicht. Vater ging - dorthin wo jeder mal
gehen muss, denn er vernahm zu früh dieses Signal.

Das Signal, das ihm bedeutet: Die Zeit für Dich ist um.
Den anderen bleibt Trauer und so mancher fragt: Warum?
Doch nach der Zeit der Dunkelheit, da spürt man wieder was:
Ganz langsam bricht das Licht sich bahn, empfindet wieder Spaß.

Gedauert hat es lange und auch heut kommt manchmal noch
ne Wolke und ne dunkle Zeit - ein Abgrund und manch Loch.
Doch wenn die Welt dann trostlos wirkt und Farben nicht mehr bunt,
dann schnapp ich mir nen Zeichenstift und male unsern Hund.
In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni 1991 verstarb mein Vater kurz nach seinem 46. Geburtstag an einem Herzinfarkt.

Ich habe ihm in diesem Jahr einen "greisen Wichtel" auf sein Grab gestellt. Ein Wichtel aus dem Wald, auf den wir jeden Tag geschaut haben. Ein Wichtel aus dem Wald, in dem wir Kinder jeden Tag mit Vadderns Jagdhund Gassi gegangen sind. Er hätte längere Gassirunden verdient. Ein Wichtel aus dem Wald, der für unseren Hund der angeleinte Ersatz für seine Jagdausflüge mit meinem Vater geworden ist.

Eigentlich wollte ich gar kein Gedicht schreiben, aber es kam grad aus mir raus.

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SeplundPetra - 16.06.17 12:43
 
Danny - 16.06.17 10:11
Fühl dich fest gedrückt, Sepl.
 
SeplundPetra - 15.06.17 20:23
 
Miezel - 15.06.17 18:40
Herrjee nun heule ich...schon wieder mal
 
PeterD - 15.06.17 17:31
Ich verstehe Dich sehr gut, da ich Ähnliches erlebt habe, als mein Vater 1993 starb - mit 57 an einem Herzinfarkt. Allerdings war ich da schon etwas älter als Du damals. Man muss damit leben.
 
toonsUp Member - 15.06.17 16:23
.....

"Bedenkt: den eigenen Tod, den stirbt man nur.
Doch mit dem Tod der andern muß man leben."

Mascha Kaléko aus dem Gedicht Memento
 
 

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